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Akkordnamen lesen — die Typen

Ein Grundakkord besteht aus drei Tönen. Alles, was im Songbook darüber hinaus steht — die 7, das sus, das add9 —, ist ein vierter Ton, der dazukommt oder einen der drei ersetzt. Mehr passiert nicht, und man hört sofort, welcher Fall vorliegt.

Akkordnamen sind deshalb keine Vokabeln, sondern eine Bauanleitung: Sie sagen, was auf dem Dreiklang liegt.

Septakkord (7) — ein vierter Ton oben drauf. Der Akkord wirkt unfertig und zieht weiter, weshalb er meist kurz vor dem Zielakkord steht. G7 vor C ist die häufigste Stelle in der Popmusik.

Maj7 — derselbe Platz, ein Halbton höher besetzt. Statt Zug entsteht Ruhe, weich und etwas schwebend. Der Standardklang in Soul und Bossa Nova.

m7 — ein Moll-Dreiklang plus dieselbe Sept wie beim Septakkord. Der Name liest sich Baustein für Baustein: Moll unten, 7 oben. Klingt weicher als reines Moll und ist im Funk und Soul der Normalfall.

Sus2 / Sus4 — hier kommt nichts dazu, sondern die Terz wird ersetzt. Genau dieser Ton entscheidet über Dur oder Moll; fällt er weg, ist der Akkord weder das eine noch das andere. Er klingt offen und will zurück in den normalen Griff. Deshalb hört man sus meist als kurzen Durchgang, nicht als Ziel.

Add9 — ein zusätzlicher Ton, ohne dass etwas ersetzt wird. Der Akkord bleibt Dur, bekommt aber Glanz. Auf der Gitarre oft ein Zufallsfund: Cadd9 entsteht durch einen einzigen zusätzlichen Finger am C-Griff und liegt bequemer als das reine C.

Power-Chord (5) — der Gegenfall: Hier fehlt die Terz ersatzlos, übrig bleiben Grundton und Quinte. Ohne Terz gibt es keine Dur/Moll-Aussage, und genau deshalb verträgt dieser Akkord starke Verzerrung, ohne matschig zu werden.

Nach demselben Muster funktionieren auch 6, dim und aug — Grundgerüst plus benannte Zutat.

Kein Erweiterungsakkord ist fortgeschrittener als ein Grundakkord; mehrere davon sind auf der Gitarre sogar leichter zu greifen. Sie lösen andere Aufgaben: Zug erzeugen, Ruhe erzeugen, Spannung offen lassen. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, liest jeden Akkordnamen, statt ihn zu lernen — und die Akkord-Datenbank wird lesbar: Steht dort Fmaj7 statt eines vereinfachten F, ist das keine Schikane, sondern die Wahrheit über den Klang.