Die Tonart — wo Melodie und Harmonie sich treffen
Summt man zu einem Song-Loop mit, landet die Stimme von selbst auf einem Ton, der wie ein Ruhepunkt wirkt. Wird derselbe Song mit Capo zwei Bünde höher gespielt, wandert dieser Ton einfach mit.
Eine Tonart ist genau das: ein Grundton als Ruhepunkt plus die sechs weiteren zugehörigen Töne. Der Capo hat den ganzen Satz um denselben Abstand verschoben — C-Dur zwei Bünde höher ist D-Dur, identische Verhältnisse, anderer Sitz. Die Verhältnisse sind der Song; die Tonart sagt nur, wo er liegt.
Damit verbinden sich die beiden bisherigen Lagen. Warum bindet eine Tonart Melodie und Harmonie aneinander? Weil beide aus demselben Vorrat schöpfen. Die Melodie nimmt die sieben Töne nacheinander — das ist die Skala. Die Harmonie stapelt dieselben sieben zu Akkorden. Deshalb hat eine Tonart feste, zugehörige Akkorde: Es sind die Dreiklänge, die sich aus genau diesen sieben Tönen bauen lassen. Solo und Begleitung bestehen aus demselben Material, einmal ausgerollt, einmal gestapelt.
Das ist der Kern des ganzen Werks. Die Landkarte aller zwölf Tonarten — welche nah verwandt sind, welche fern — heißt Quintenzirkel; hier genügt zu wissen, dass es diese Karte gibt.