Fretmait

Halbton & Ganzton — das Lineal

Der kleinstmögliche Schritt zwischen zwei Tönen heißt Halbton, der doppelt so große Ganzton. Mehr Schrittweiten braucht das System nicht; alles Größere ist eine Aneinanderreihung dieser beiden.

Hier kommen die fünf fehlenden Töne aus dem vorigen Abschnitt ins Spiel: Zwischen den meisten Buchstaben liegt ein Halbton-Zwischenton — am Klavier die schwarzen Tasten. Nur an zwei Stellen liegen zwei Buchstaben direkt nebeneinander, ohne Zwischenton: zwischen B und C und zwischen E und F. Sieben Buchstaben plus fünf Zwischentöne ergeben zwölf.

Auf der Gitarre ist dieses System sichtbar ausgelegt: Ein Bund ist genau ein Halbton. Eine Saite Bund für Bund hinauf läuft die zwölf Töne der Reihe nach ab; nach zwölf Bünden kehrt der Ausgangston wieder. Das Griffbrett ist damit das Lineal der Tonhöhe — jeder Bund ein Halbton, jeder zweite Bund ein Ganzton.

Weil sich die Namen wiederholen, sitzt derselbe Ton an mehreren Stellen zugleich. Ein C ist kein Ort, sondern ein Name, der über den ganzen Hals mehrfach auftaucht, auf jeder Saite an anderer Position. Das wirkt anfangs unübersichtlich, ist aber der praktische Vorteil der Gitarre: Dieselbe Melodie und derselbe Akkord lassen sich dort greifen, wo es für die Hand bequem liegt.